Samstag, 13. September 2008

Ein Job für Zander

„Sag mal, was ist denn mit Zander los? Er stand heute Morgen ganz schön unter Strom“, sagte Batilda und schwamm, an einem Zangen putzenden Flusskrebs vorbei, ins dichte Flussgras hinein. Batilda war eine Barbe. Zander dahingegen kein Zander, sondern ein Zitteraal, was erklärt, weshalb er ab und an unter Strom stand. Stanislava, die angesprochen wurde, chillte gerade auf einem Stein. Sie war ein Steinschill und mochte Zander nicht nur seines Names wegen. Der Flusskrebs, dessen Namen keiner kannte, putzte weiter seine Zangen. Er sprach ja auch kein fischisch.



„Du kennst doch seine Probleme“, sagte Stanislava, und natürlich waren sie Batilda bekannt. Man hatte ihn hier im Fluss ausgesetzt, als er noch ein kleiner unerfahrener Neuwelt-Messerfisch war. Auch jetzt war er noch feucht hinter den Ohren, doch zumindest die Umstellung von Salz auf Süßwasser hatte er gut gemeistert. Seit Monaten war er erfolglos auf Jobsuche. Ein Ex-Salzi, der nicht mal trocken war, galt als schwer vermittelbar.
„Ein arbeitsloser Zitteraal in einem Strom? Wo gibt’s denn das?“, witzelten alle stets ob der Zweideutigkeit.

Kouhei, ein riesiger japanischer Koi, der ebenfalls im Fluss lebte und in Flusskiesel machte, wusste natürlich, von was sie sprachen. Eine Aufgabe zu haben, war das wohl Wichtigste im Leben eines Fisches. Doch auch er hatte keine Erklärung für Zanders Verhalten des Morgens.

Dann kam Eike hinzu. Da Kouhei sehr eitel war und gerne mit seiner Bildung protzte, begrüßte er den kleinen Eike mit: „Glüß dich, Knilps!“, und das freute Eike, den Eitel, denn er war ein Knilps. Er war erst vor kurzem aus dem unteren Neckar hierher geschwommen und freute sich über die Aufmerksamkeit.
Doch hatte er auch Neuigkeiten. Zander habe jetzt endlich einen Job gefunden. Er verbiete jetzt die Benutzung des Betriebswegs der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes.
„Er hatte sich gestern erst beworben, und mit einem Schlag war er genommen!“, blubberte Eike den anderen begeistert entgegen.

Alle freuten sich sehr und schwammen wieder ihrer Wasserwege. Nur Stanislava chillte weiter auf ihrem Stein, und der Flusskrebs putzte weiter seine Scheren. Das war ihm eh zu banal. Er war ein höherer Flußkrebs.

Kommentare:

  1. Sehr löstige Geschöchte Herr Löchttröger ;)

    AntwortenLöschen
  2. Öch verböte mör döse Nörgelöen ön mönem körrökten Cöndötiönöl.
    Öber völen Dönk ;-)

    AntwortenLöschen
  3. für das letzte ö hat dann die könditiön nicht mehr gereicht herr löchttröger?

    AntwortenLöschen
  4. Nach kurzer Nachlese in meinem Deutschbuch stellte ich fest, dass Kunjunktiv I doch angebrachter wäre, und gebe hiermit mir selbst, dem Autor, in meiner personalunierten Funktion als Korrektor und Lektor kund, dass das ö durch ein ie auszutauschen sei *gg*

    AntwortenLöschen
  5. Aber ich darf doch noch die normalen Vokale gebrauchen, wenn ich Ihnen sage, dass ich mutmaße, dass Sie einen Anglerschein entweder haben oder gerade erwerben. ;) Und wenn das Benutzen des Betriebsgeländes strompolizeilich verboten ist, wie wird bei Zuwiderhandlung geahndet? Wie wir wohl ahnen sollen mit Stromstößen!? Autsch! ;)

    AntwortenLöschen
  6. Sie dürfen, sie dürfen, haben aber Unrecht mit ihrer ersten Vermutung. Fische sind Freunde! ;-)
    Mit der zweiten Vermutung treffen Sie jedoch voll ins Bullauge. Hintergrund war jedoch, dass ich beim Lesen des Schildes ernsthaft fragte, seit wann es denn eine Polizei gäbe, die für Strom zuständig sei und ob das wohl der Werkschutz von E.ON sei. Als der peinliche Moment dann vorbei war und mir erklärt wurde, dass das Fließgewässer gemeint sei, entschloss ich mich, Sühne mit einer Blog geeigneten flash fiction zu leisten - und ganz nebenbei etwas über Fische zu lernen *gg*
    Ich hoffe, beides gelang mit in aller Kürze.

    AntwortenLöschen
  7. Ui, da haben Sie aber hübsch recherchiert!! Vor allem das mit dem Knirps... ääh... Knilps!

    AntwortenLöschen
  8. Wie aber, werter Herr Lichtträger, kommt Zander in seine blaue Uniform? Und wäre er als Michael J. Fox-Imitator nicht besser dran gewesen, wie es die gemeine Flussmuschel vorschlug?

    AntwortenLöschen
  9. Ignoranten! Wer von euch hat Zander jetzt überhaupt mal zu seinem job gratuliert? Stattdessen wird sich hier über vokale unterhalten!
    also: alles gute Zander!

    AntwortenLöschen
  10. Super Geschichte. Happy End für Zander.

    Jetzt muss man nur noch auf Fußgänger und Radfahrer achten, denn die sind auf eigene Gefahr hin frei.
    Mofas dagegen liegen wohl in straffen Ketten.

    Göttliches Foto.

    AntwortenLöschen
  11. Köstlich amüsiert! Und wenn ich am Samstag bald wieder Fisch esse, denke ich an Sie, ähmnee: an DICH - werter Fischträ... Lischtträger!!!

    Und fischisch schpreschisch schon, isch escht schupper dasch! Schuppenschupper!!!

    Besonders sympathisch ist mir natürlich der Knirps vom Unteren Neckar!!! Die ganzen Staustufen mit den blöden Fischtreppen waren bestimmt ein ganz schönes Malheur für den Armen, bevor er umgezogen ist...

    AntwortenLöschen
  12. @meise
    Ja, das habe ich. Danke. Ohne Wiki hätte ich für diese flash fiction wahrscheinlich Urlaub am schönen Neckar machen müssen oder an der Weser, wo auch das Schild stand. Wie mag Eike wohl dorthin gekommen sein?

    @scheibster
    Sind unter Wasser nicht alle blau?
    Und danke für den Link. Endlich weiß ich, wie die Marsupilami zu ihrem Namen kamen. Jetzt sehe ich sie allerdings auch in einem merkwürdigen Licht.

    @nachtwächter
    Endlich jemand mit sensiblem Gespür für Höflichkeit. Zander ist gerührt, versichere ich dich. Und das obwohl er kein Zitterquark ist.

    @Jay
    Vielen Dank. Ich frage mich jedoch, wie Zander einen Landweg bewachen will. Ob ein Teil unter Wasser sein mag oder es gar der Betriebsweg zum Atlantis des Weserdelta? Herr von Däniken, helfen Sie mir?

    @mkh
    Es ehrt mich, zu deinem nächtlichen Amüsement Beitrag geleistet zu haben. Samstag gibt es jedoch bei mir, aufgrund der während der Recherche gewonnen Nähe zu Flußfischen, keinen Fisch. Auch keinen Neuwelt-Messerfisch. Vielleicht aber arroganten Flusskrebs. Ja, den bestimmt. Zu Hauf. So was eingebildetes ;-)

    AntwortenLöschen
  13. Ja, wenn die eigenen Figuren - in diesem Fall Fischfiguren resp. Fischuren - zum Leben erweckt werden, will man ihre Freunde nicht gleich massakrieren und zum nächsten Abendessen servieren...

    Jetzt schreibe aber bitte KEINE GESCHICHTE über eine einsame Forelle im Fischbecken, deren beste Freundin als Fischfilet endete und die nun isoliert von der Außenfischwelt ihrem nahenden, nassen Tod in einem Köcher und dann der Anpreisung ihrer leiblichen Überreste auf dem Wochenmarkt eines kleinen Städtchens am Unteren Neckar entgegenfiebert...

    AntwortenLöschen
  14. "Fische sind Freunde!", sagten Bruce, Hammer und Hart stets in ihrer Selbsthilfegruppe. Um den samsttäglichen Fischgenuß jedoch nicht zu stören, verwerfe ich den Gedanken, eine Story zu schreiben, in der der Knilps, spitznamens Knirps, seine uneitle Eitelfreudin Ellie sucht, die im Unteren Neckar verscholl, als sie den Sinn des Lebens ausgerechnet in einem Anglergebiet zu suchen begann. Schade. Fand die Idee toll :-(

    AntwortenLöschen
  15. Also, Ellie! Im Ernst: war wirklich gut!

    Zart wie ein Zander, um das mal so zu sagen.

    Nur dass die uns offenbar Döbel als Forellenfilet verkauft haben, enttäuscht mich jetzt doch etwas, also ohne jede Eitelkeit!

    AntwortenLöschen
  16. Dann wundert mich nicht, dass Eike in meiner nunmehr deines Fischappetits wegen verworfenen neuen Geschichte Ellie so verzweifelt gesucht haben würde, wenn sie sich unter Forellen so vortrefflich zu tarnen verstanden hätte ;-)

    AntwortenLöschen
  17. Ich denke - selbstredend ohne deine verworfene Geschichte kennen zu können, da du sie ja mir und meines samstäglichen Fischappetits zuliebe verworfen hast - verbindlichsten Dank auch! - also, ich denke, das liegt an der Erleuchtung!

    Wenn Ellie, die Eitelin, in den - zwar nicht arm an Lebensgefahren, aber reich an Lebensweisheiten - dahinfließenden Anglergebieten des Unteren Neckars, in welchselbigen sie den Sinn des Lebens zu finden trachtet, die Erleuchtung gefunden haben würde (und ich erinnere dabei auch an Hermann Hesses Siddharta, worin der alte Fährmann durch sein Leben am Fluss eben diese Erleuchtung fand!), dann, ja dann würde sie sich allein vom Fischkopfgesichtsausdruck nicht mehr wesentlich von den ebenfalls erleuchteten Forellen unterscheiden.

    Nichts gegen Erleuchtung, aber irgendwie schauen am Ende dann doch alle gleichermaßen selig aus den Wogen.

    Deshalb hätte sich Ellie, die Eitelin, in deiner niemals geschrieben werdenden Fischgeschichte so vortrefflich unter Forellen zu tarnen verstanden.

    In der Tat. Es wäre trarig für den Döbel Eike! In deiner Geschichte, die du nicht schreiben wirst. Eine traurige Geschichte. Und nicht nur, weil sie ungeschrieben ist.

    AntwortenLöschen
  18. Zu Ihren Ausführungen, die mich wahrhaft köstlich unterhielten, bleibt mir nur anzumerken, wie schade es doch ist, dass Samstag Fischtag im Hause mkh ist :-(

    Vielleicht nehme ich die Geschichte dennoch auf und lasse sie in fabelhafter Weise Lamas, Dromedare und Trameltiere im Nildelta erleben. Eikes Rolle könnte ein Vikunja übernehmen. Nicht aus dem Unteren Neckar, versteht sich, aber es könnte, auf der Suche nach Erleuchtung, mit einem Fischmehlfrachter von Chile herüber zum Nildelta gekommen sein. Sie verzehren zu keinem Wochentag Kamele, hoffe ich.

    AntwortenLöschen
  19. Ein stilistischer Raum- und Gestaltwandel - köstliche Idee und sicher dann wieder mal ein narrativer Leckerbissen! Ich bin gespannt, ob ich deine neue Ellie, die alte Eitelin, wiedererkennen werde. Und Kamele? Nein, das sind bei uns heilige Kühe! Aber unter uns, lieber Lichtträger, dein "Fischmehlfrachter" zeugt von einem gewissen schwarzen Humor am weißen Nil, oder?!?

    AntwortenLöschen
  20. Darf ich nun zu einer fabelhaften Ägyptenreise einladen? ;-)

    AntwortenLöschen