Samstag, 31. Dezember 2011

Alle Jahre wieder: Mein schwerer Weg zum Vorsatz

Der Silvestermorgen ist nicht schwer,
zwar eil ich eilends hin und her,
um den Abend zu bereiten,
doch im Grunde ist er leicht,
da die Zeit bis abends reicht.

Gegen Mittag wird es schwerer,
und die Champagnerflöten leer und leerer;
ich will ja schließlich wissen,
wie gut wir abends trinken müssen.
Immer schwerer werden meine Sätze
und hetziger das Gute-Vorsatz-Find-Gehetze.

Am frühen Abend hab ich dann,
was ich noch an Sätzen bilden kann,
in ebensolche fast verfasst,
und manche davon hätte ich fast
in vergang’nen Jahren schon erfüllt,
doch war ich meist schnell ungewillt.

Im Laufe der beschwingten Abendstunden
sind die meisten dann gefunden:
Ab nächstem Jahr will ich nicht rauchen,
mehr Sport (des Reimes wegen: Tauchen)
treiben, und nicht viel trinken,
auch mein Kontostand soll nicht mehr sinken.

Punkt zwölf stoß ich drauf an,
versprech‘ den Sternen, dass ich‘s kann,
und starte vorsätzlich ins neue Jahr,
das schon jetzt -aus künft’ger Sicht- viel besser war,
als das letzte wohl gewesen ist,
wenn man’s am Erfüllungsgrad der Vorsätz‘ misst.

Nach zwölf ist dann wohl was geschehen,
denn aus neujährlicher Sicht gesehen,
fehlen mir gut 13 Stunden,
und bis ich nicht zumindest 12 davon gefunden,
bleib ich besser noch im Bett;
das findet auch mein Kopf ganz nett.

Am Neujahrsabend werd‘ ich wach,
jedes Flüstern ist ein Heidenkrach.
Ich zünde erst mal eine Zigarette,
weil ich nur so das Neujahr rette,
und beim ersten Zuge fällt mir ein:
Zum Tauchen braucht man einen Schein.*

Nächstes Jahr kann ich nur hoffen,
bin ich nicht so vorsätzlich besoffen,
und starte nüchtern in das neue Jahr,
und d’rüber grübelnd wird mir klar,
nur ein Vorsatz bleibt in meiner Hand:
Mein fürchtenswerter Kontostand.






* So kann das denn kein Vorsatz sein
  und kam wohl nur zum Reim hier rein.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Elefanten tanzen nicht zur Weihnachtszeit

Elefantenherden drängen sich,
Rot und weiß mit Samt bemützt,
dicht an dicht in meiner Mitte.

Sie wollen tanzen,
doch kein Raum für große Schritte:
Sie reiben sich an meiner prallen Hülle!

Drei Tage, voll am Stück,
wogte ich von Mahl zu Mahl.
Für 12 gekocht, zu sechst gegessen!

Elefantenherden in mir drinnen,
Elefantenherden in uns allen,
sie hören auf den Namen Kalorie.

Ob in Afrika,
wo Elefanten tanzen sollen,
nur einer tanzt zu dieser Melodie?



Sonntag, 25. Dezember 2011

Weststadtstory No. 3, Essen (23.12.2011)

Ruby Tuesday und Zerrin Blumenkind
Es war der Tag vor Weihnachten. Es war mild und regnerisch und ich auf dem Weg nach Essen. In die Weststadt. Noch genauer zu JayNightwinds Weststadtstory, die er nun das dritte Mal ausrichtete. Eigentlich wollte ich ja schon bei der Erstausgabe anwesend sein, doch da kam eine Hochzeit dazwischen. Zum Glück nicht meine. Kurz nach Einlass um 18:00 Uhr kam ich an. Jay hatte im Regen auf mich gewartet. Leider ohne Schirm, doch dafür winkte er sehr schön, damit ich auch ja den hell beleuchteten Eingang finden sollte. Bei uns Hessen weiß man ja nie.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Wilde Worte, Grand Slam, Schlachthof Wiesbaden (21.12.2011)

Blick in Richtung Bühne
Der vorletzte Slam des Jahres für mich, und ein ganz großer nochzudem: Der Grand Slam 2011 im Wiesbadener Schlachthof. Alle Monatsgewinner und – gewinnerinnen des Jahres auf einem Haufen. Einem Haufen, der keinesfalls riecht. Und wenn, dann nur nach wundervollen Wörtern, rezitablen Worten und überhaupt schon gar nicht schlecht: Der Februar-Gewinner Alex Göbel aus Wiesbaden, der März-Sieger Florian Cieslik aus Köln, Mr. April Hanz aus Stuttgart, Felix „Mai“ Bartsch aus Neuhäusel, ich als Vertreter des ersten Herbstmonats des Kalenders, Indiana Jonas aus Landau, der den Oktober für sich entscheiden konnte, und die November-Triumphatin Alissa Starodub aus Mainz.

Samstag, 17. Dezember 2011

Slam Gießen, JOKUS, Gießen (14.12.2011)

Stimmungsvolles JOKUS
Es war ein regnerischer und kalter Mittwochabend; geradezu prädestiniert, ihn innerhalb geschlossener Wände zu verbringen. Die Wände meiner Wahl umgaben das JOKUS in Gießen, denn der wunderbare Lars Ruppel hatte zu einem Poetry Slam eingeladen. Also nicht mich. Ich musste mich selbst einladen, doch ich folgte meiner Einladung nur allzu gerne. Um kurz nach sieben kam ich an und bekam einen der letzten Parkplätze auf dem Gelände. Wenigstens kein Parkhaus, doch nicht minder viele Überraschungen bergend. Die Überraschung dieses Parkplatzes beschränkte sich auf seine bloße Unbelegtheit, denn die Schlange vor dem Jokus war wirklich groß und stand sich die Beine in den Bauch, was für eine Schlange gleichfalls überraschend sein sollte.

Freitag, 16. Dezember 2011

Dialoge IV - Über Perspektiven

„Weihnachten ist wirklich herrlich“, sagte Frank und aß ein weiteres Vanillekipferl. „Magst du auch eins, Michael?“ 
Sein Arbeitskollege Michael schüttelte den Kopf. 
„Sag mal, passt deine Uniformhose eigentlich noch, so wie du in den letzten Wochen zugelegt hast?“
Frank schaute an sich herunter, doch nur aus Reflex, denn er sah seine Hose schon seit Wochen nur noch, wenn sie im Schrank hing. 
„Hmmm!“, antwortete er und umfasste seine Körpermitte mit den Händen. „Seit ich meinen Bauch über der Hose trage, geht es eigentlich.“

Donnerstag, 15. Dezember 2011

wurm drinnen

Ein vor einigen Wochen entstandener Versuch, sich moderner Lyrik zu nähern:


Wurm drinnen

starrsinn nährt den mageren wurm 
während er noch leise lauert 
doch fett geworden 
dringt er ein 
frisst auf was war 
zerdrückt was ist 
verdrängt was wäre 
denn die samba-trommeln im inneren  
kommen aus dem takt 
wenn fade würmer  
durchs rote fleisch mäandern 
und die gerissenen wunden 
der wurmarmada raum schenken 
und alte schwüre 
einst auf heißen wellen getragen 
sich zu ausscheidungen 
leb- und inhaltslos 
mit dem geschmack von ende 
wandeln 



Montag, 12. Dezember 2011