Samstag, 22. Februar 2014

Coming-out

Manchmal hilft nur rennen
Ja, ich gebe es zu, ich bin heterosexuell. Wie das gekommen ist, kann ich nicht sagen. Irgendwann in der Pubertät vermutlich. Wohl kurz nachdem ich erfreut festgestellt hatte, dass ein Penis weit mehr kann als urinieren. Bald darauf erkannte ich, dass Mädchen offenbar keinen Penis haben, und das hatte mich erregt. Damals machte ich mir keine Gedanken darüber, dass Frauen möglicherweise defizitäre Männer sind. Ich wusste bis dahin auch noch nichts über die mögliche Verbindung zwischen Penis und Vagina, aber als pubertierendes Kind denkt man halt über solche Sachen nicht nach.

Freitag, 21. Februar 2014

Im Geheimdienstgebäude kurz vor der Teepause

Big Brother Mr. Red bei der Arbeit
Im Geheimdienstgebäude, Abhörzentrale. Freitagnachmittag. Ein Doppelbüro kurz vor der Teepause. Zwei Mitarbeiter vor ihren Abhör-Rechnern.

Mr. Red: „Hey, schau mal, der Typ von letzter Woche teilt seiner Freundin wieder mit, dass er jetzt einkaufen gehen will.“
Mr. Blue: „Wo denn? Facebook, Twitter, Xing, Linkedin, Tumblr, Pinterest …?
Mr. Red: „Ne, da nicht. Ha, ha! Sie will, dass er mehr Gemüse mitbringt. Jetzt wird’s lustig!“

Samstag, 15. Februar 2014

Safari-Lunchbox

Aus Gründen der Geburtenkontrolle leer gegessen: Rollkasten
„Schatz, doch nicht vor den Kindern!“, empörte sich die alte Löwin.
„Liebling, der hatte mit dieser Touristin rumgemacht! Was sollte ich denn tun? Die hätten sich vermehrt und was dann?“, antwortete der betagte Rudelführer kauend.
„Aber wir wollten doch keine Touristen im Reservat essen! Wir hatten uns doch versprochen, sie zu schützen, die Armen. Kein Fell, nicht mal alleine laufen können sie, immer in diesen stinkenden zebrafellgemusterten Rollkästen.“
„Schatz, wohin mit denen, wenn sie sich ausgerechnet hier vermehren? Ruckzuck haben wir hier eine Menschenplage im Wildlife-Reservat. Außerdem können unsere Babylöwen dann mal sehen, wie ein Mensch gebaut ist! Oh, schau mal, wie kümmerlich das Muskelfleisch am Schenkel ist.“
„Tatsächlich? Ach, hast ja Recht. Gut, dass du ihn erlöst hast! Am Ende wäre es noch eine Verwandte gewesen, mit der er sich vermehrt hätte. Und sie zu trennen und auf andere Rollkästen zu verteilen, wäre ja auch kaum möglich gewesen. Wer weiß, wann der nächste gekommen wäre. Und ständig nur Giraffe ist ja auf Dauer auch eine etwas einseitige Kost“, schloss die Löwendame die Diskussion, während sich hinter ihr einer dieser stinkenden zebrafellgemusterten Rollkästen anschlich, mit aus allen Fenstern herausragenden Stahlrohren bespickt und grimmigen Gesichtern dahinter.



Freitag, 14. Februar 2014

Valentinstag

Großer Gott, was für ein Kitsch.
Valentinstag. Das ist doch nur ein Tag, den die Floristikindustrie erfunden hat. Ich brauche doch keinen mir aufgezwungenen Tag im Jahr, an dem ich meine Liebe mit Blumen beschenken muss. Ich liebe doch jeden Tag und kann mir doch selbst aussuchen, wann ich etwas schenke. Es ist doch viel schöner, wenn ich das von selbst mache, und nicht an so einem Tag, an dem es alle tun. Ich kann doch 365 Tage im Jahr etwas schenken, wenn ich will. Das sind die klassischen Argumente gegen den Valentinstag. Doch mal Hand auf’s Herz. Wer schenkt denn tatsächlich an den anderen 364 Tagen etwas. Zumindest ist es bei mir so, dass ich so sehr in den Alltagstrott versunken bin, dass ich nicht einmal daran denke, geschweige denn dazu komme. Die Blumenläden haben leider schon zu, wenn ich abends nachhause komme. Und wochenends, na ja, da habe ich all die Dinge im Kopf, die werktags liegen geblieben waren. Wenn sich zwar tatsächlich mal ein Gedanke einnistet oder sich die Gelegenheit ergibt, dann schaffe ich es auch, doch geht das im Alltag als schöne Randnotiz unter.

Ich finde den Valentinstag gut. Er erinnert mich einmal im Jahr daran, was für ein Geschenk eine funktionierende Beziehung ist und wie viel Glück ich habe, einen Partner gefunden zu haben, mit dem ich mein Leben teilen kann. Einmal im Jahr konzentriere ich mich dann wirklich auf die Beziehung und der Partner macht es auch. Es müssen ja keine Blumen sein. Da gebe ich den Konspirationstheoretikern recht: das mag tatsächlich nur wirtschaftlich motiviert sein. Doch sich füreinander Zeit zu nehmen, miteinander etwas Besonderes zu kochen, essen zu gehen oder einfach nur mal inne zu halten und sich seiner Liebe bewusst zu werden, das ist es doch, was diesen Tag ausmacht. Sich in Erinnerung zu rufen, dass hinter der Alltagsroutine die Liebe steht, wie eine feste Wand, an der man sich entlang hangeln kann und stets weiß, man kann nicht umfallen, solange es die Liebe gibt.

Das ist mein Sinn des Valentinstags. Nicht Blumen zu schenken, weil es die Blumenläden so wollen, sondern sich des Hintergrundes und der Ursprünge wieder bewusst werden. Genau so wie ein Atheist Weihnachten feiern kann. Okay, das ist eine Stolperfalle. Nein, Schatz, ich will damit nicht sagen, dass ich nicht an die Liebe glaube. Es geht darum, dass der Atheist nicht den Sohn des Christengottes feiern muss, sondern einfach innehalten soll, um sich in Erinnerung zu rufen, was es bedeutet, dass es da mal jemanden gegeben haben mag, der auf einem Hügel stand und von Nächstenliebe gesprochen hatte. Gerade weil in vieler Leute Augen der Konsumgedanke beider Feste im Vordergrund zu stehen scheint: "Hügel, was für ein Hügel? Wo unter dem Baum sind verdammt nochmal meine neuen Krawatten!"

Ich mag den Valentinstag. Selbst ohne Blumen. Selbst wenn man es nicht schafft, sich an diesem Tag Zeit füreinander zu nehmen, miteinander etwas Besonderes zu kochen, essen zu gehen oder einfach nur mal wieder gemeinsam auszugehen. Es ist immer Zeit, inne zu halten und sich seiner Liebe wieder bewusst zu werden. Vielleicht einfach mit ein paar Gedanken zu später Stunde oder eben mit einem Text, den man seiner Liebe widmet.


Danke, dass du für mich da bist, mein Herz. Ich liebe dich.